Artwork: JonyBeta / Zafra (Flickr)
Anläßlich des 10. Geburtstags von RSS (Really Simply Syndication, RSS 2.0 Spezifikation), und einem kleinen Nebenprojekt in dessem Rahmen ich mich derzeit intensiv mit den RSS-Feeds der österreichischen Tageszeitungen beschäftige, habe ich meine Erfahrungen mit den Syndikationsangeboten der Mainstream-Medien hinsichtlich deren Benutzerfreundlichkeit (wie leicht sind die RSS-Feeds zu finden?) und technischen Umsetzung (sind die Feeds syntaktisch und semantisch valide?) untersucht.
Der Standard – derStandard.at
Der Online-Platzhirsch unter den österreichischen Tageszeitungen bietet über 20 Ressort- & Sparten-Feeds (teilweise auch auf Autoren-Ebene). Ein Durchsuchen der Frontpage nach dem orangen RSS-Icon bleibt ergebnislos, die im Footer mit “RSS-Feed” verlinkte Info-Seite bietet dafür neben der Feed-Übersicht (die leider auch nicht mehr aktive Feeds – http://derStandard.at/?page=rss&ressort=LeichtSinn – enthält) eine umfangreiche Einführung ins Thema RSS. Im HTML-Header von derStandard.at werden jeweils alle Haupt-Feeds verlinkt.
Syntaktisch sind die Feeds von derStandard.at valide, lediglich einige kleinere Verbesserungsvorschläge liefert der Validator. (Validator-Link)
Kurier – kurier.at
Auch hier sind die Feeds von der Startseite aus nur über einen im Footer versteckten Link “RSS” zu finden. Drei Klicks später, findet man dort neben einer rudimentären Funktionsbeschreibung dafür gleich 44 thematisch & regional gefilterte Feeds (darunter 13 explizit als Blog geführte Kolumnen). Auch hier findet sich die komplette Feed-Liste im HTML-Header wieder.
Ein besonderes Zuckerl: der Ressort-Feed ‘Gesundheit’ leitet auf einen französisch-sprachigen Feed der Gaming-Site EuroGamer.fr (z.b. http://rss.feedsportal.com/c/1234/f/5678/index.rss) um – ob das Absicht ist?
Die syntaktische Überprüfung der Feeds, die übrigens in RDF-Notation codiert sind, ergibt die Bestnote für die Kurier-Feeds. (Validator-Link)
Die Presse – diePresse.com
diePresse.com bietet insgesamt 15 Ressort-Feeds an. Die Feeds sind korrekt im Header des HTML-Dokuments eingebunden, und werden sowohl mit dem üblichen RSS-Icon als auch einem expliziten Menüpunkt “RSS” im Footer angeboten. Zusätzlich können benutzerdefinierte, stichwort-basierte Feeds erstellt werden.
Syntaktisch sind Feeds fast fehlerfrei, hin und wieder tauchen aber leider Fehler im Character-Encoding auf. Einige kleinere Ungereimtheiten in den Dublin-Core-Feldern, dafür per <enclosure> eingebundenes Bild-Material zu fast allen Artikeln (wenngleich hier unnötigerweise das length-Attribut unterschlagen wird). Eigenartig: beim wiederholten Laden des Feeds wird offenbar jedes zweite Mal eine etwas ältere, gecachte Version ausgeliefert. (Validator-Link)
Die Krone – krone.at
Offenbar möchte die Krone Ihre Leser technisch nicht überfordern – der Hinweis auf RSS-Feeds findet sich gut versteckt unter “Über krone.at” -> “Krone.at RSS-Feeds” – ich hab’s ehrlich gesagt nur über eine externe Google Site-Search gefunden. Die Übersichtsseite bietet dann zwar eine kurze Erklärung von RSS, aber tatsächlich keine Auflistung der verfügbaren Feeds – diese (8 an der Zahl) finden sich nur im HTML-Header der Website.
Die Feeds sind zwar syntaktisch valide, lassen aber für die automatische Verarbeitung wichtige Elemente wie die guid vermissen. Sehr positiv fällt die Länge des verfügbaren Vorlauf-Textes auf. (Validator-Link)
Oberösterreichische Nachrichten – nachrichten.at
Die Startseite der OÖN hat zwar ein RSS-Icon im Footer, dieses verlinkt aber nur auf eine leere Seite. Die URL des einzigen Feeds findet man so nur im HTML-Code des Headers.
Der Feed der OÖN ist syntaktisch valide, lässt aber Feinheiten wie ein Betreiber-Logo vermissen und ist etwas unzeitgemäß in ISO-8859-15 codiert. Bei meinen Tests ist es zudem vorgekommen, dass das CMS der OÖN beim Tages-Wechsel das <pubDate> aller bestehenden Feed-Items auf 0:00 gesetzt hat – nicht unbedingt Sinn der Sache
(Validator-Link)
Österreich – oe24.at
Der “RSS”-Link (ohne Icon) findet sich bereits im oberen Bereich der Frontpage, die entsprechende Infoseite bietet eine RSS-Kurzbeschreibung und Links zu ca. 30 Feeds. Interessant: während die Feeds hier mit einer Feedburner-URL angegeben sind, finden sich im HTML-Code des Headers die Feed-URLs auf der Domain oe24.at – ob sich diese Diskrepanz positiv auf die Mess-Genauigkeit der Leser-Zahlen auswirkt, darf bezweifelt werden.
Während die hausgemachten Feeds valide sind, leistet sich Feedburner einen Lapsus in der Datums-Angabe im Dublin Core. Dafür enthalten die Feedburner-Feeds Bildmaterial zu fast allen Artikeln – leider aber nur als HTML-Code in der <description> integriert, und nicht als separate <enclosure>. (Validator Link Feedburner, oe24)
Kleine Zeitung – kleinezeitung.at
Unter dem Link “RSS-Feed” (ohne Icon) finden sich neben der obligatorischen Kurzbeschreibung von RSS 9 Ressort-Feeds, welche auch im HTML-Header der Website verlinkt sind.
Die Feeds sind nicht valide – neben kleineren Ungereimtheiten im <pubDate> liegt das vor allem an – innerhalb eines Feeds! – doppelt vorhandenen <guid>-Elementen – witzig, ist guid doch die Abkürzung für “globally unique identifier”
(Validator-Link)
Salzburger Nachrichten – salzburg.com
Auch hier findet sich der Hinweis inkl. Icon auf RSS nur im Footer. Die Info-Seite bietet dann lediglich Links zu 4 Feeds an, weitere Ressort-Feeds sind zwar verfügbar, das URL-Schema muss der Benutzer aber selbst erraten oder aus dem HTML-Code der Website extrahieren.
Die Feeds sind valide, weisen aber Ungereimtheiten im unzeitgemäßen ISO-Encoding auf, fehlerhafte Zeichenkodierungen in <title>-Tags inklusive. (Validator-Link)
Tiroler Tageszeitung – tt.com
Die Tiroler Tageszeitung bietet ihre mageren 5 Feeds über einen schlichten “RSS”-Textlink sowie über Links im HTML-Header an.
Die ISO-codierten Feeds sind valide, auffällig (wenngleich syntaktisch korrekt) sind die nicht als Permalinks ausgeführten <guid>-Elemente in der Form “47110815@tt.com” – die Artikel-Links gibt’s dafür im <link>-Element. (Validator-Link)
Wiener Zeitung – wienerzeitung.at
Als einzige integriert die Wiener Zeitung Ihre Feeds nicht im HTML-Code der Website (d.h. das RSS-Icon erscheint nicht automatisch in er Adress-Zeile des Browsers), dafür gibt’s ein großes RSS-Icon an ungewohnter Stelle. Dahinter verbergen sich immerhin 9 Ressort-Feeds, ein Sammelfeed wie er sonst of üblich ist fehlt hier.
Die Feeds sind valide und werden übrigens wie jene des Kuriers von rss.feedsportal.com bereitgestellt, einem Service der mir noch nicht bekannt war. (Validator-Link)
Wirtschaftsblatt – wirtschaftsblatt.at
Die RSS-Feeds werden mit einer Eigeninterpretation des RSS-Icons auf der Startseite verlinkt, es finden sich überschaubare 5 Ressort-Feeds.
Die Feeds validieren nicht und weisen Probleme im Character-Encoding auf, dafür gibt’s auch hier Bildmaterial in <enclosure>-Tags. (Validator-Link)
ORF – orf.at
Obwohl der ORF im Vergleich der Tageszeitungen etwas aus dem Rahmen fällt, darf das Feed-Angebot vom Küniglberg in dieser Übersicht natürlich nicht fehlen. Auf der orf.at-Startseite findet sich abgesehen von der Integration im Header-Code kein Hinweis auf RSS-Feeds, auf der Übersichtsseite http://orf.at/uebersicht finden sich dann aber doch 8 Feeds unter dem für unbedarfte Nutzer evt. nicht verständlichen Kürzel “XML”.
Die Feeds sind zwar syntaktisch valide, enthalten aber teilweise HTML-Code-Fragemente wo diese nicht hingehören (z.b. im <title>-Tag). Was aber viel schlimmer ist: orf.at verzichtet auf ein <description>- oder <summary>-Tag und damit auf die Bereitstellung eines Vorlauf-Textes / Abstracts. Der RSS-Leser bekommt so lediglich die (manchmal wenig aussagekräftigen) Überschriften zu Gesicht, und muss im Zweifelsfall auf die Ursprungs-Seite durchklicken. (Validator-Link)
Die Verweigerer
Ja, es gibt auch im Jahr 2009 noch Tageszeitungen deren Online-Präsenz keine RSS-Feeds anbieten, namentlich das Neue Volksblatt (http://www.volksblatt.at/) und die Niederösterreichischen Nachrichten (http://www.noen.at). Dasselbe gilt übrigens für die Privat-TV-Sender Puls4 & ATV, die aber beide Online ohnehin kein News-Angebot machen.
Resumeé
Zusammengefasst würde ich sagen: viel Licht, viel Schatten. Das Angebot an Feeds ist recht umfangreich (wenn auch nicht immer leicht auffindbar), die technische Umsetzung für den Konsumenten prinzipiell ausreichend gut. Heikel wird es bei der maschinellen Weiterverarbeitung der Feeds (eigtl. eine Grund-Motivation der RSS-Spezifikation) – unsauberes Character Encoding, duplicate Content unter unterschiedlichen URLs/<guid>’s und fantasievoll gesetzte <pubDate>-Elemente machen das Leben des angehenden Content-Aggregators unnötig schwer.
Ein grundsätzliches Problem ist, dass sich keine einzige Tageszeitung bisher dazu überwinden konnte die Artikel im Volltext anzubieten. Lediglich ein meist nur ein bis zwei Sätze langer Vorlauftext ist im Feed verfügbar. Absolutes Negativ-Beispiel ist hier der ORF, der sogar nur die Headline selbst anbietet. Einige positive Ausnahmen (Die Presse, Oe24, Wirtschaftsblatt) integrieren immerhin Bildmaterial in ihre Feeds. Die Möglichkeit RSS-Leser mittels Werbeschaltungen zu amortisieren (und damit ein wichtiges Argument für Volltext-Feeds), hat sich bisher nur zu Kurier und Wirtschaftsblatt durchgesprochen. Da verwundert es auch nicht weiter, dass innovative Konzepte wie etwa user-customized Feeds noch nirgends umgesetzt wurden (löbliche Ausnahme: Die Presse mit der Möglichkeit stichwort-basierter Feeds).
Für die österreichischen Tageszeitungen gäbe es also genügend Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer RSS-Angebote – angesichts der unter Otto-Normalverbrauchern wohl nach wie vor marginalen Nutzung von Feed-Readern muß man da aber wohl realistisch sein…
PS: in der NYTimes gäbe es auch brauchbares Vorbild: deren Feeds haben Media-enclosures, ausgefeiltes Tagging… nur über den Volltext-Feed-Schatten traut man sich auch dort (noch) nicht zu springen…
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Endlich spricht es mal jemand an. Die österreichischen Tageszeitungen würden mich als RSS-Abonennt und regelmäßigen Leser hinzugewinnen, wenn sie Volltext-Feeds anbieten. So lese ich halt nur EINE bestellte Tageszeitung, die ich jeden Tag auf Papier nach Hause bekommen. Anderenfalls würde ich einige mehr Feeds lesen und zum Kommentieren auch auf die Seite kommen. Bzw. bei guten Artikel eventuell auch mein Zeitungs-Abo ändern. Verpasste Chance!
Ich find es berechtigt, dass du ORF.at ebenfalls mit reinnimmst. ORF.at ist bereits länger den EU-Behörden ein Dorn im Auge, weil das subventionierte Webangebot in erster Linie privatwirtschaftlichen Verlagen das Leben schwer macht, weil sie ihre Werberichtlinien selbst definieren…. deine Auflistung zeigt einmal mehr, dass die dsbzgl. Kritik am ORF berechtigt ist. Noch dazu, wo sie in erster Linie, APA-Meldungen Copy/pasten. btw. hast du dir die APA eigentlich auch schon mal angesehen bzgl RSS Feeds?
Deine ORF-Kritik in Ehren. aber im konkreten Fall seh ich den Zusammenhang nicht: der ORF setzt eine 10 Jahre alte Technologie (RSS) mehr schlecht als recht und ohne (direkte) Werbefinanzierung um – da hätten die Privatwirtschafter genügend Möglichkeiten aufzutrumpfen, auch ohne allzu tief in die Tasche zu greifen.
Danke für den APA-Hinweis, die haben aber IMHO nur die APA-OTS-Feeds frei verfügbar, die ähnlich wie beim ORF lediglich die Headline enthalten…
meine kritik gilt indem fall nicht den rss feeds sondern den inhalten der seite:)
Dass sich weder der ORF noch die Tageszeitungen besonders ins Zeug legen bzgl. RSS Feeds wundert mich weniger. Wir sollten auf atv.at schon lange einen RSS-Feed zb fürs TV-Programm haben. Lustigerweise hat noch nie jemand danach gefragt, häufig jedoch kriegen wir Beschwerden, warum man das TV Programm nicht ausdrucken kann…
Und auch innerhalb des Hauses gibt es von 110 Mitarbeitern gezählte vier Mitarbeiter, die aktiv RSS-Feeds nutzen. Und es sind wenige mehr, die überhaupt von der Existenz von RSS wissen.
Ich arbeite allerdings stetig daran, dass es mehr werden:)
Das die Nutzung von Feed-Readern unter Non-Techies gegen Null konvergiert ist mir klar (s.o.). RSS-Support aufgrund der nicht vorhandenen Userbase zu ignorieren od. vernachlässigen ist aber recht kurzsichtig, geht es doch auch darum die einfachst-mögliche Form eines “APIs” zur Verfügung zu stellen – in der Hoffnung das darauf basierend innovative Applikationen/Mashups entstehen, die wiederrum Traffic zurückbringen.
Will nicht wie eine hängengebliebene Platte klingen
, aber ein Blick auf http://developer.nytimes.com lohnt sich!