Gregor Hochmuth liefert in diesem TechCrunch-Artikel einen interessanten Überblick über die deutsche Web 2.0-Landschaft und stellt die provokante Frage, ob bei unseren Nachbarn mehr als nur das simple Abkupfern erprobter, vorwiegend amerikanischer Geschäftsideen an der Tagesordnung steht.
Bei sage und schreibe 8 (acht!) deutschen Klonen einer derzeit massiv gehypten, aber wirtschaftlich noch nicht bestätigten (böse Zungen würden meinen “fragwürdigen”) Geschäftsidee (die Rede ist vom Micro-Blogging- & SMS-Tool Twitter) scheint diese Frage durchaus berechtigt. Ob 2008 noch mehr als 2 der Nachahmer am Netz sein werden scheint unwahrscheinlich, so groß ist der deutschsprachige Markt selbst mit Österreich und der Schweiz nun auch wieder nicht. Die Überlebenden werden bis dann wohl schon im Eigentum der großen , kaufwilligen Medien-Konglomorate (Springer, Burda) stehen - (wobei sich der Kaufpreis natürlich nur an der Größe der bis dahin aggregierten Community bemessen wird - die Kosten zur “Neu-”entwicklung solcher Services fallen ja ständig weiter). Damit wir uns richtig verstehen, am Konzept “Build-to-Sell” ist nichts auszusetzen (ich halte dieses Szenario auch im Falle von Twitter nicht für so unwahrscheinlich), nur funktioniert das eben nicht beliebig oft replizierbar.
Und wenn wir schon bei Klarstellungen sind: die geäußerte Kritik gilt natürlich nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich und wohl die meisten (lassen wir die UK mal beiseite) anderen Länder Europas. Auch in hiesigen Web-Agenturen beginnen Kunden-Aufträge oft mit den Worten: “Kennt ihr ….. .com? Wir hätten das gern auf Deutsch…”
Außerdem: manche Web 2.0-Applikationen schreien geradezu lauthals nach Lokalisierung, etwa das lange Zeit nur für amerikanische Studenten zugängige Facebook (siehe StudiVZ), text-lastige Services die auf User-generiertem Content basieren wie etwa Digg (siehe Yigg.de) oder Business-Netzwerke wie LinkedIn (siehe Xing).
Hochmuth schließt seine Analyse durchaus optimistisch, ich mich an: Innovation im deutschen Web 2.0 passiert, Geo-Social Network plazes (das allerdings schon deutlich pre-Web 2.0 innovativ war!) und der Dienstleistungs-/Handwerker-Auktionar blauarbeit.de sind meine Lieblingsbeispiele (letzteres würde ich mir auch als Klone für Österreich wünschen
). Die österreichischen Desktop-Tagger tag2find beweisen das man auch in Wien die weltweite Aufmerksamkeit der Tech-Blogger auf sich lenken kann. Auch die ungewohnt schnelle & bereitwillige Akzeptanz der Barcamps - weich strukturierte Tech-Meetings mit niedriger Partizipationschwelle - stärkt die Erwartungshaltung an die europäische Web-Industrie. Europa & Web 2.0 - da geht noch einiges!
Update: unter My-Hammer.at gibt’s doch tatsächlich bereits eine Handwerker-Auktion für den österreichischen Raum!
,
,
)
[...] Michael Kamleitner macht sich aufbauend auf den Artike auch noch so seineGedanken zu dem ThemaTechnorati Tags: web 2.0, [...]